Tatortreinigung: wer beauftragt und wer bezahlt

Beauftragt wird die Reinigung vom Eigentümer oder Verfügungsberechtigten, sobald die Ermittlungsbehörde die Räume freigegeben hat, und die Kosten trägt in der Regel derselbe, weil weder Polizei noch Kommune dafür zuständig sind.

gelistet Redaktion · Stand 15. August 2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Freigabe der Räume erfolgt durch die ermittelnde Behörde, oft nach 1 bis 5 Tagen.
  • Die Kosten liegen je nach Umfang bei 800 bis 6.000 Euro, in schweren Fällen deutlich mehr.
  • Körperflüssigkeiten gelten als infektiöser Abfall und brauchen eine gesonderte Entsorgung.
  • Hausratversicherungen decken solche Fälle nur in Sonderfällen, Gebäudeversicherungen selten.

Nach einem Todesfall oder einem Gewaltdelikt bleibt eine Wohnung zurück, die niemand betreten möchte. Die Frage, wer sie in Ordnung bringt, ist rechtlich klarer, als sie sich anfühlt.

Wer zuständig ist

Die Polizei sichert Spuren und gibt die Räume danach frei. Sie reinigt nicht und beauftragt niemanden. Zuständig ist der Verfügungsberechtigte: bei Eigentum die Eigentümerin oder der Eigentümer, bei Miete zunächst die Erben des Mieters, ersatzweise der Vermieter, der die Kosten gegenüber dem Nachlass geltend machen kann. Ist der Nachlass überschuldet, bleiben die Kosten häufig beim Vermieter.

FallAufwandKosten
Reinigung nach kurzer Liegezeit1 bis 2 Tage800 bis 2.500 €
Lange Liegezeit mit Kontamination3 bis 6 Tage2.500 bis 6.000 €
Mit Entfernung von Estrich5 bis 10 Tage6.000 bis 15.000 €
Geruchsneutralisation mit Ozon1 bis 3 Tage400 bis 1.200 €
Entsorgung infektiöser Abfallje Behälter80 bis 250 €
Entrümpelung der Wohnungnach Volumen25 bis 60 € je m³
Umfang und Kosten.

Warum es kein normaler Reinigungsauftrag ist

Körperflüssigkeiten können Krankheitserreger enthalten und gelten als infektiöser Abfall mit eigenen Entsorgungswegen. Die Reinigung erfolgt mit Schutzausrüstung, die Flächen werden desinfiziert, und kontaminierte Materialien wie Teppich, Estrich, Holz oder Dämmung werden ausgebaut, weil Flüssigkeit in poröse Baustoffe eindringt. Anschließend folgt die Geruchsbehandlung, weil Gerüche sich in Wänden festsetzen.

Was Versicherungen leisten

Die Gebäudeversicherung deckt solche Schäden in der Regel nicht, weil kein versichertes Ereignis wie Feuer oder Leitungswasser vorliegt. Manche Hausratversicherungen enthalten eine Klausel für Schäden nach einem Todesfall, das ist aber die Ausnahme. Bei einem Gewaltdelikt kommt eine Inanspruchnahme des Täters in Betracht, die praktisch selten zum Ziel führt. Vermieter können in bestimmten Konstellationen Leistungen aus einer Mietausfallversicherung erhalten, sofern vereinbart.

Deshalb lohnt der Blick in die Police, bevor beauftragt wird, und die Abstimmung mit dem Versicherer über den Umfang. Eine nachträgliche Anerkennung ist deutlich schwerer zu erreichen als eine vorherige Abstimmung.

Woran ein Fachbetrieb erkennbar ist

An der Schutzausrüstung und der dokumentierten Entsorgung infektiöser Abfälle mit Nachweis. An der Bereitschaft, den Umfang vorher schriftlich zu benennen, statt pauschal abzurechnen. An diskretem Auftreten ohne beschriftetes Fahrzeug. Und daran, dass er auf die Frage nach der Geruchsbehandlung und dem Ausbau kontaminierter Baustoffe konkret antwortet, weil genau dort der Unterschied zwischen einer sauberen und einer nur oberflächlich gereinigten Wohnung liegt.

Häufige Fragen

+Wer beauftragt die Reinigung?

Der Verfügungsberechtigte, also Eigentümer oder Erben. Die Polizei gibt die Räume nur frei und beauftragt niemanden.

+Was kostet eine Tatortreinigung?

800 bis 2.500 Euro nach kurzer Liegezeit, 2.500 bis 6.000 Euro bei Kontamination, mit Estrichausbau bis 15.000 Euro.

+Zahlt die Versicherung?

Meist nicht. Gebäudeversicherungen decken solche Fälle in der Regel nicht, einzelne Hausratpolicen enthalten Sonderklauseln.

+Warum muss Estrich raus?

Weil Flüssigkeit in poröse Baustoffe eindringt und weder Reinigung noch Desinfektion sie dort erreicht.

+Woran erkenne ich einen Fachbetrieb?

An Schutzausrüstung, dokumentierter Entsorgung infektiöser Abfälle, schriftlichem Umfang und diskretem Auftreten.

Quellen

  1. 1Robert Koch-Institut, Robert Koch-Institut (August 2026)
  2. 2Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, GDV (August 2026)

Passend dazu