Getränkepreise im Lokal: wie kalkuliert wird

Getränke werden mit einem Aufschlagfaktor von 3 bis 6 auf den Wareneinsatz kalkuliert, weil dieser Rohertrag Personal, Miete, Energie und Spülkosten tragen muss, weshalb ein Kaffee mit 22 Cent Materialkosten am Ende 3,20 Euro kostet.

gelistet Redaktion · Stand 15. August 2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Wareneinsatz bei Getränken liegt in der Gastronomie bei 15 bis 25 Prozent des Verkaufspreises.
  • Ein Kaffee kostet an Bohnen und Milch 18 bis 30 Cent, verkauft wird er für 2,80 bis 4,20 Euro.
  • Personal, Miete und Energie machen zusammen 55 bis 70 Prozent des Umsatzes aus.
  • Auf Getränke im Haus gelten 19 Prozent Umsatzsteuer, auf Speisen im Haus ebenfalls.

Der Aufschlag auf Getränke wirkt hoch, wenn man nur auf die Ware schaut. Er ist die Stelle, an der ein Lokal seine Fixkosten verdient, weil bei Speisen kaum Spielraum bleibt.

Die Rechnung hinter einem Kaffee

7 Gramm Bohnen zu 22 Euro je Kilogramm sind 15 Cent. Dazu Milch für 5 Cent, Zucker und Keks für 3 Cent, macht 23 Cent Wareneinsatz. Bei einem Verkaufspreis von 3,20 Euro brutto bleiben netto 2,69 Euro, abzüglich Ware also 2,46 Euro Rohertrag. Davon gehen Personal, Miete, Energie, Spülen, Maschine, Wartung und Steuern ab. Was am Ende bleibt, sind 3 bis 8 Prozent.

GetränkWareneinsatzFaktorVerkaufspreis brutto
Kaffee23 Cent143,20 €
Espresso16 Cent162,60 €
Apfelschorle 0,3 l38 Cent103,80 €
Mineralwasser 0,25 l28 Cent113,10 €
Frisch gepresster Saft 0,2 l1,10 €55,50 €
Hausgemachte Limonade 0,3 l45 Cent94,20 €
Tee im Kännchen35 Cent124,20 €
Kalkulationsbeispiele mit üblichen Faktoren.

Warum der Faktor bei teurer Ware sinkt

Ein Getränk mit 1,10 Euro Wareneinsatz wird nicht mit demselben Faktor kalkuliert wie eines mit 20 Cent, weil sonst ein Preis herauskäme, den niemand zahlt. Deshalb arbeitet die Gastronomie mit dem Rohertrag je Verkauf statt mit einem festen Prozentsatz. Ziel ist ein Deckungsbeitrag von 2,50 bis 4 Euro je Getränk, unabhängig davon, ob der Einsatz bei 20 Cent oder 1,10 Euro liegt.

Was in den Preis noch hineinspielt

Die Lage: In einer Innenstadtlage mit 45 Euro Miete je Quadratmeter kostet der Sitzplatz das Doppelte einer Randlage. Der Service: Bedienung am Tisch bindet mehr Zeit als Theke. Die Öffnungszeit: Ein Betrieb mit fünf Stunden Umsatz am Tag verteilt dieselben Fixkosten auf weniger Verkäufe. Und die Auslastung: Zwischen 40 und 75 Prozent Sitzplatzauslastung liegen im Ergebnis Welten.

Deshalb sind Preisvergleiche zwischen zwei Häusern selten aussagekräftig. Zwei Kaffees zu 2,60 und 4,20 Euro können beide korrekt kalkuliert sein, wenn das eine Haus 24 Plätze und Selbstbedienung hat und das andere 60 Plätze mit Tischservice in bester Lage.

Was Gäste daraus mitnehmen können

Wer wissen will, ob ein Preis fair ist, schaut nicht auf den Wareneinsatz, sondern auf das Gesamtbild: Portionsgröße, Qualität der Ware, Service und Aufenthaltsdauer. Ein Getränk für 4,20 Euro, zu dem man zwei Stunden am Tisch sitzen darf, ist anders zu bewerten als dasselbe Getränk zum Mitnehmen.

Häufige Fragen

+Wie hoch ist der Aufschlag auf Getränke?

Der Faktor liegt bei 3 bis 6 auf den Wareneinsatz, bei sehr günstiger Ware auch deutlich höher, weil der Rohertrag je Verkauf zählt.

+Was kostet ein Kaffee im Einkauf?

18 bis 30 Cent für Bohnen, Milch und Zubehör. Der Verkaufspreis liegt bei 2,80 bis 4,20 Euro.

+Warum sind Getränke teurer als Speisen?

Weil bei Speisen der Wareneinsatz bei 25 bis 35 Prozent liegt und kaum Spielraum bleibt. Getränke tragen einen großen Teil der Fixkosten.

+Welcher Steuersatz gilt?

Auf Getränke im Haus 19 Prozent. Für Speisen gelten je nach Verzehrort unterschiedliche Sätze.

+Sind Preisunterschiede zwischen Lokalen normal?

Ja. Miete, Service, Öffnungszeit und Auslastung erklären Unterschiede von 60 Prozent bei identischer Ware.

Quellen

  1. 1Preisangabenverordnung, Bundesministerium der Justiz (August 2026)
  2. 2Preisindizes, Statistisches Bundesamt, Statistisches Bundesamt (August 2026)

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