Autokauf online: wann das Widerrufsrecht greift
Das 14tägige Widerrufsrecht greift nur, wenn der Vertrag ausschließlich über Fernkommunikationsmittel geschlossen wurde, also ohne persönliches Gespräch im Autohaus, und es entfällt nicht dadurch, dass das Fahrzeug später vor Ort abgeholt wird.
gelistet Redaktion · Stand 15. August 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Die Frist beginnt mit der Übergabe des Fahrzeugs, nicht mit dem Vertragsschluss.
- Ohne ordnungsgemäße Widerrufsbelehrung verlängert sich die Frist auf bis zu 12 Monate und 14 Tage.
- Für gefahrene Kilometer kann der Händler Wertersatz verlangen, üblich sind 0,2 bis 0,7 Prozent des Kaufpreises je 1.000 Kilometer.
- Die Rücksendekosten trägt der Käufer, sofern er darüber belehrt wurde.
Ein Auto ist keine Ware wie jede andere, das Widerrufsrecht gilt trotzdem. Entscheidend ist nur, wie der Vertrag zustande kam.
Wann Fernabsatz vorliegt
Wenn Angebot und Annahme ausschließlich über Telefon, Videoberatung, E-Mail oder Webformular erfolgten und dabei keine gleichzeitige körperliche Anwesenheit beider Seiten bestand. Wer das Fahrzeug online konfiguriert, den Vertrag per E-Mail schließt und es später abholt, hat einen Fernabsatzvertrag. Wer im Autohaus Probe fährt, dort verhandelt und unterschreibt, hat keinen, auch wenn er vorher online recherchiert hat.
| Weg zum Vertrag | Widerrufsrecht | Frist |
|---|---|---|
| Vollständig online oder telefonisch | ja | 14 Tage ab Übergabe |
| Online geschlossen, vor Ort abgeholt | ja | 14 Tage ab Übergabe |
| Im Autohaus verhandelt und unterschrieben | nein | keine |
| Auf einer Messe am Stand | meist nein | keine |
| An der Haustür oder auf Verkaufsfahrt | ja | 14 Tage |
| Ohne Widerrufsbelehrung | ja | bis 12 Monate und 14 Tage |
Was der Widerruf kostet
Der Käufer schuldet Wertersatz für die Nutzung, wenn er das Fahrzeug über die reine Prüfung hinaus gefahren hat. Üblich ist eine Berechnung nach gefahrenen Kilometern im Verhältnis zur Restlaufleistung, was auf 0,2 bis 0,7 Prozent des Kaufpreises je 1.000 Kilometer hinausläuft. Bei einem Fahrzeug für 20.000 Euro und 800 gefahrenen Kilometern sind das 32 bis 112 Euro. Die Rücksendekosten trägt der Käufer, sofern er darüber belehrt wurde, und bei einem Fahrzeug bedeutet das einen Transport für 400 bis 1.200 Euro.
Die Belehrung ist der Knackpunkt
Der Händler muss vor Vertragsschluss klar und verständlich über das Widerrufsrecht informieren, mit Muster-Widerrufsformular und Angaben zu Fristbeginn und Kosten. Fehlt diese Belehrung oder ist sie fehlerhaft, verlängert sich die Frist auf zwölf Monate und vierzehn Tage. Das ist keine theoretische Größe: Bei Onlinekäufen ohne saubere Belehrung sind Widerrufe nach acht Monaten regelmäßig wirksam.
Für den Käufer bedeutet das: Die Belehrung aufbewahren und das Datum der Übergabe notieren. Für den Händler: die Belehrung sauber einbinden und den Erhalt bestätigen lassen.
Was ausgeschlossen ist
Fahrzeuge, die nach Kundenspezifikation gefertigt wurden, also mit einer Konfiguration, die eindeutig auf persönliche Bedürfnisse zugeschnitten ist. Bei einem Serienfahrzeug mit Standardausstattung greift dieser Ausschluss nicht, auch wenn es bestellt wurde. Die Grenze verläuft dort, wo das Fahrzeug ohne erheblichen Aufwand an einen anderen Kunden verkauft werden könnte.
Häufige Fragen
+Kann ich einen Autokauf widerrufen?
Ja, wenn der Vertrag ausschließlich per Telefon, E-Mail oder Onlineformular geschlossen wurde. Bei Vertragsschluss im Autohaus nicht.
+Wann beginnt die Frist?
Mit der Übergabe des Fahrzeugs, nicht mit dem Vertragsschluss. Sie beträgt 14 Tage.
+Was kostet mich der Widerruf?
Wertersatz für gefahrene Kilometer, üblich 0,2 bis 0,7 Prozent des Kaufpreises je 1.000 Kilometer, plus Rücktransport von 400 bis 1.200 Euro.
+Was, wenn die Belehrung fehlt?
Dann verlängert sich die Frist auf bis zu 12 Monate und 14 Tage ab Übergabe.
+Gilt das auch für Sonderausstattung?
Bei einer Konfiguration, die eindeutig auf persönliche Bedürfnisse zugeschnitten ist, entfällt das Widerrufsrecht. Bei Serienausstattung nicht.
Quellen
- 1Paragraf 312b BGB, außerhalb von Geschäftsräumen geschlossene Verträge, Bundesministerium der Justiz (August 2026)
- 2Paragraf 437 BGB, Rechte des Käufers bei Mängeln, Bundesministerium der Justiz (August 2026)