GIA, IGI, HRD: welches Diamant-Zertifikat zählt

Alle großen Labore bewerten nach denselben Skalen, unterscheiden sich aber in der Strenge, weshalb derselbe Stein in einem Labor als G/VS1 und in einem anderen als F/VVS2 eingestuft werden kann, was im Preis 10 bis 25 Prozent ausmacht.

gelistet Redaktion · Stand 15. August 2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Farbskala D bis Z und Reinheitsskala FL bis I3 sind bei allen Laboren identisch.
  • Ein Zertifikat kostet je nach Labor und Steingröße 60 bis 250 Euro.
  • Hauseigene Papiere des Verkäufers sind keine unabhängige Bewertung.
  • Bei Labordiamanten muss die Herkunft im Zertifikat ausdrücklich benannt sein.

Zwei Steine, zwei Papiere, zwei Preise. Der Unterschied liegt nicht immer im Stein, sondern manchmal im Namen auf dem Umschlag.

Dieselben Skalen, andere Strenge

Die Bewertungsskalen gehen auf dieselbe Systematik zurück: Farbe von D bis Z, Reinheit von lupenrein bis deutlich eingeschlossen, Schliff in fünf Stufen. Die Anwendung unterscheidet sich. Manche Labore bewerten im Grenzfall zugunsten des Steins, andere dagegen. Über zwei Stufen Reinheit und eine Stufe Farbe summiert sich das schnell auf 10 bis 25 Prozent Preisunterschied.

AngabePflichtBemerkung
Maße auf 0,01 mmjaerlaubt Zuordnung zum Stein
Gewicht auf 0,01 ctjanur bei losen Steinen exakt
Farbe und Reinheitjamit Angabe der Skala
Schliffbewertungja bei Brillantenbei Fantasieformen eingeschränkt
BehandlungshinweisjaLaserbohrung, Füllung, Bestrahlung
Herkunft natürlich oder Laborjaseit Verbreitung synthetischer Steine zentral
Prüfnummerjamuss beim Labor abfragbar sein
Was ein Zertifikat leisten muss, unabhängig vom Aussteller.

Warum das Haus-Zertifikat nicht zählt

Ein Papier, das der Verkäufer selbst ausstellt, ist eine Eigenauskunft. Sie kann korrekt sein, ist aber nicht unabhängig und wird beim Weiterverkauf nicht anerkannt. Erkennbar sind solche Papiere daran, dass sie einen Wert in Euro nennen, keine Prüfnummer tragen oder das Labor nicht mit Anschrift benennen.

Ab wann sich ein Zertifikat lohnt

Ab etwa 0,30 Karat. Bei kleineren Steinen übersteigen die Prüfkosten von 60 bis 150 Euro einen zu großen Anteil des Werts. Bei Steinen ab 0,50 Karat sollte das Zertifikat selbstverständlich sein, und bei einem Karat und mehr entscheidet es über die Verkäuflichkeit.

Wichtig ist auch das Alter des Papiers. Zertifikate vor 2010 verwenden teils abweichende Schliffbewertungen. Bei einem Verkauf lohnt sich dann eine Neubewertung, die 80 bis 200 Euro kostet und den Stein in der aktuellen Systematik einordnet.

Labordiamanten brauchen eine klare Kennzeichnung

Im Labor gewachsene Diamanten sind chemisch identisch mit natürlichen und lassen sich nur mit Spezialgeräten unterscheiden. Ihr Preis liegt jedoch 60 bis 90 Prozent darunter. Deshalb muss die Herkunft im Zertifikat ausdrücklich stehen, üblicherweise auch als Laserinschrift auf der Rundiste. Fehlt beides, ist Vorsicht geboten.

Häufige Fragen

+Welches Labor ist das strengste?

Die Strenge unterscheidet sich in Grenzfällen um bis zu zwei Reinheitsstufen. Wichtiger als der Name ist, dass die Prüfnummer überprüfbar ist.

+Was kostet ein Zertifikat?

60 bis 250 Euro je nach Labor und Steingröße. Eine Neubewertung eines älteren Papiers liegt bei 80 bis 200 Euro.

+Brauche ich bei einem kleinen Stein ein Zertifikat?

Unter 0,30 Karat lohnt es sich selten, weil die Prüfkosten einen zu großen Anteil des Werts ausmachen.

+Ist ein Zertifikat des Juweliers ausreichend?

Für den eigenen Überblick ja, für den Weiterverkauf nein. Anerkannt werden nur unabhängige Laborzertifikate mit Prüfnummer.

+Wie erkenne ich einen Labordiamanten?

An der Angabe im Zertifikat und meist an einer Laserinschrift auf der Rundiste. Mit bloßem Auge ist er nicht zu unterscheiden.

Quellen

  1. 1Diamond Quality Factors, 4C, Gemological Institute of America (August 2026)
  2. 2Paragraf 5 Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, irreführende geschäftliche Handlungen, Bundesministerium der Justiz (August 2026)

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