Silber verkaufen: Kurs, Abschlag und Steuer
Silber wird nach Feingehalt vergütet, doch weil der Materialwert je Gramm nur etwa ein Achtzigstel des Goldwerts beträgt, liegt der Ankaufsabschlag mit 20 bis 35 Prozent deutlich höher, und erst ab rund 500 Gramm lohnt sich der Gang zum Händler.
gelistet Redaktion · Stand 15. August 2026
Das Wichtigste in Kürze
- Bei einem Feinsilberkurs von 0,98 Euro je Gramm bringt 925er Silber 0,91 Euro und 800er Silber 0,78 Euro Materialwert.
- Der Abschlag liegt bei 20 bis 35 Prozent, weil Analyse und Handling pro Vorgang gleich viel kosten wie bei Gold.
- Anlagesilber ist im Gegensatz zu Anlagegold umsatzsteuerpflichtig, im Verkauf mit 19 Prozent oder differenzbesteuert.
- Der Gewinn bleibt steuerfrei, wenn zwischen Anschaffung und Verkauf mehr als ein Jahr liegt.
Silber wiegt schwer und zahlt leicht. Wer eine Kiste Besteck schleppt und mit 180 Euro nach Hause geht, hat nichts falsch gemacht, sondern nur die Größenordnung unterschätzt.
Der Kurs und was davon übrig bleibt
Das Verhältnis von Gold zu Silber liegt seit Jahren zwischen 65 und 90 zu 1. Bei 77,16 Euro je Gramm Feingold entspricht das einem Feinsilberpreis um 0,98 Euro je Gramm. Ein Teelöffel aus 800er Silber mit 30 Gramm hat damit einen Materialwert von 23,40 Euro, ausgezahlt werden je nach Haus 15 bis 19 Euro.
| Stempel | Feinsilberanteil | Materialwert je Gramm | Auszahlung bei 25 Prozent Abschlag |
|---|---|---|---|
| 800 | 80,0 Prozent | 0,78 € | 0,59 € |
| 835 | 83,5 Prozent | 0,82 € | 0,61 € |
| 900 | 90,0 Prozent | 0,88 € | 0,66 € |
| 925 | 92,5 Prozent | 0,91 € | 0,68 € |
| 999 | 99,9 Prozent | 0,98 € | 0,73 € |
Warum der Abschlag höher ist als bei Gold
Die Prüfung eines Silberlöffels dauert genauso lange wie die einer Goldkette, bringt dem Händler aber ein Fünfzigstel des Umsatzes. Dazu kommt, dass Besteckgriffe oft mit Kitt oder Blei gefüllt sind. Diese Füllung wiegt mit, zählt aber nicht, weshalb Häuser Griffe pauschal mit 40 bis 60 Prozent Abschlag rechnen oder nur die Laffe wiegen.
Versilbert ist kein Silber
Aufschriften wie 90, 100 oder 150 auf Besteck bezeichnen keine Feingehalte, sondern die Menge Feinsilber in Gramm, die auf 12 Teile aufgetragen wurde. Solche Auflagen wiegen wenige Zehntelgramm je Stück und werden von den meisten Ankäufern gar nicht angenommen. Echtes Silber trägt 800, 835, 900, 925 oder 999 als Stempel, oft neben Halbmond und Krone.
Steuern und Grenzen
Für den privaten Verkäufer gilt dieselbe Jahresfrist wie bei Gold: nach zwölf Monaten Haltedauer bleibt der Gewinn steuerfrei, darunter zählt er zu den privaten Veräußerungsgeschäften mit einer Freigrenze von 1.000 Euro im Jahr. Beim Kauf schlägt dagegen die Umsatzsteuer zu, denn anders als Anlagegold ist Silber nicht befreit.
Praktisch heißt das: Silber verkaufen lohnt in Menge. Unter 200 Gramm deckt der Erlös kaum die Fahrt, ab 500 Gramm wird es eine dreistellige Summe, und ab 2 Kilogramm verhandeln viele Häuser über den Abschlag.
Häufige Fragen
+Wird versilbertes Besteck angekauft?
Selten. Die Auflage beträgt oft nur 0,2 bis 0,5 Gramm Feinsilber je Teil, das Ablösen lohnt sich erst bei industriellen Mengen.
+Zählt das Gewicht der Griffe mit?
Nur teilweise. Gefüllte Griffe enthalten Kitt oder Blei, üblich ist ein Pauschalabzug von 40 bis 60 Prozent auf das Griffgewicht.
+Was bedeuten Halbmond und Krone?
Sie sind seit 1888 das deutsche Zeichen für geprüften Feingehalt und stehen neben der Zahl, die den Silberanteil in Tausendstel angibt.
+Muss ich den Gewinn versteuern?
Nur bei einer Haltedauer unter einem Jahr und wenn alle privaten Veräußerungsgewinne des Jahres zusammen 1.000 Euro übersteigen.
+Lohnt sich der Verkauf von Silbermünzen?
Bei Kursmünzen ja, dort zählt das Metall. Bei Sammlermünzen kann der Sammlerwert ein Vielfaches betragen, dann ist der Weg über den Münzhandel besser.
Quellen
- 1Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren, Bundesministerium der Justiz (August 2026)
- 2Paragraf 23 Einkommensteuergesetz, private Veräußerungsgeschäfte, Bundesministerium der Justiz (August 2026)